Geschichte

Geschichte

200 Jahre J.H.Koch

Seit 1803 ist die Familie J.H. Koch in Neustadt ansässig und nunmehr in der 7. Generation im Textilfach tätig.

Die Brüder Johann Hinrich und Hinrich Wilhelm Koch aus Trittau kamen als Leineweber 1803 nach Neustadt. Von der Fischerstraße Nr. 5 wurde 1816 in die gemeinsame Werkstatt im neu erworbenen Grundstück Grüner Gang Nr. 7 umgezogen .

Grüner Gang

1816

Haus Fischerstraße und Grüner Gang

Von der Fischerstraße Nr. 5 wurde 1816 in die gemeinsame Werkstatt im neu erworbenen Grundstück Grüner Gang Nr. 7 umgezogen.

Johann Hinrich vertrat jahrelang als Ältermann des Neustädter Weberamtes die Interessen seines Berufsstandes.

Der 1804 in Neustadt geborene älteste Sohn, auch Johann Hinrich genannt, erlernte wie Vater und Onkel das Weberhandwerk, kehrte nach den Wanderjahren zurück und erwarb 1830 das benachbarte Grundstück Grüner Gang Nr. 3, in dem eine weitere, schon 1841  vergrößerte Werkstatt eingerichtet wurde. Außer den Familienmitgliedern webten nun zeitweise zusätzlich fünf Gesellen in der Weberei.

Die 1791 in Schleswig-Holstein eingeführte Gewerbefreiheit benachteiligte die städtischen Weber mehr und mehr gegenüber den in den Dörfern billiger arbeitenden Landweber. Gab es 1828 in Neustadt noch 6 Werkstätten, so schmolz diese Zahl: 1847, beim Tode von Vater und Onkel, existierte außer der Weberei Koch nur noch ein weiterer Betrieb.

Die aufkommende Industrialisierung machte ohnehin allen Handwebern schwer zu schaffen. In einer Art Genossenschaft mit den Landwebern versuchte J.H. Koch sich zu behaupten: Er fuhr mit eigenem Pferd und Wagen über Land, vergab Aufträge, bot eigengefärbte Garne an, kaufte Ware zum Weiterverkauf an. Schließlich arbeiteten bis zu 18 Weber auf seine Rechnung in Heimarbeit. Vergeblich: Gegen die im Handel erhältliche Industriewaren war auf die Dauer nicht anzukommen. 1854 musste auch J.H. Koch seine Weberei aufgeben, wie vielen seiner Berufskollegen sein Geld als Arbeitsmann verdienen und mit seiner Frau zusammen schließlich den Lebensabend im Neustädter Hospital verbringen.

1875

Anzeige

In dieser im Jahre 1875 erschienen Anzeige, wurde auf die Eröffnung der Schön- und Seidenfärberei, Druckerei nebst Wäscherei hingewiesen. Johannes Koch bat die Bevölkerung „um gütigen Zuspruch.“

Johann Heinrich Carl Koch, als einziges Kind nach 17-jähriger Ehe am 22. Juli 1848 geboren, erlernte das Färberhandwerk 1864 bis 1868 in Preetz. Nach Militärzeit und Wanderjahren kehrte er 1875 nach Neustadt zurück und eröffnete im April 1875 vor dem Kremper Tor eine Färberei und Zeugdruckerei nebst Wäscherei für Kleidungsstücke. Das Grundstück konnte 1909 käuflich erworben werden. Von 1819 bis 1862 hatte dort schon eine Färberei Westphal bestanden. Das Wohn- und Geschäftshaus selbst war zwischen 1723 und 1733 als Scheune des Ziegelmeisters gebaut worden.

1909

Geschäftshaus

Das Wohn- und Geschäftshaus selbst war zwischen 1723 und 1733 als Scheune des Ziegelmeisters gebaut worden.

Dem fleißigem Färber und Drucker blieben langtägige, harte körperlichen Arbeit und vielerlei Umstellungen in seinem Berufsleben nicht erspart. Die sogenannte Landfärberei mit dem Einfärben selbstgesponnener und gewebter bäuerlicher Woll- und Leinenware endete in den Gründerjahren durch das billige Angebot industrieller Fertigung, dadurch verdrängt, wurde auch der handwerkliche Zeugdruck um die Jahrhundertwende aufgegeben. 

Dagegen brachte die Einführung der Anilinfarbstoffe anstelle der umständlich anzuwendenden Naturfarbstoffe bedeutende Arbeitserleichterungen. Als passender Ausgleich für den Rückgang von Farb- und Druckaufträgen erwies sich nach 1890 durch das inzwischen in Deutschland angewandte Benzin als Reinigungsmittel der Ausbau der Chemischreinigungen von Bekleidungs- und Dekorationsgut.

Der Betrieb baute seinen Maschinenpark durch beispielswiese den Einsatz der handbedienten Waschmaschine, der Zentrifuge und Destilierblase 1913/1914 bis hin zur Aufstellung einer Dampfkesselanlage mit Dampfmaschine weiter zu einer neuartigen Benzinreinigung aus.

1913/14

Carl und Juliane Koch, Eltern von Willi Koch

Nach Rückkehr aus dem Weltkrieg übernahm der jüngste Sohn Willi Johannes Julis Koch den Betrieb, wie bei den Vorvätern mit tatkräftiger Unterstützung durch seine Ehefrau.

Beim Vater von 1907 bis 1910 gelernt, hatte er sich anschließend als Geselle in mehreren deutschen Betrieben die Kenntnisse erworben, die den Anschluss an den neuesten Stand der Berufstechnik sicherten. In überaus fleißiger und sorgfältiger Arbeit vergrößerte Willi Koch den Kundenkreis und guten Ruf der Firma und erwarb in wirtschaftlicher schwerer Zeit Mittel zur Vergrößerung und Verbesserung der Betriebseinrichtungen.

Bis in die dreißiger Jahre wurde von der bäuerlichen Kundschaft Rohwolle angenommen, dafür vom Spinner bezogene Garne, die eingefärbt wurden, und von Strickereien bestellte Wollwaren ausgeliefert.

1935

Geschäftshaus

Im Krieg 1939/45 minderte die knappe Zuteilung von Benzin und Seife die Reinigungsaufträge; in der Färberei wurde hauptsächlich Trauerschwarz gefärbt

Im Krieg 1939/45 minderte die knappe Zuteilung von Benzin und Seife die Reinigungsaufträge; in der Färberei wurde hauptsächlich Trauerschwarz gefärbt. Der Betrieb erhielt besondere Kohlezuteilungen, weil ab 1937 destilliertes Wasser für die Batterien der Unterseeboote hergestellt und geliefert wurde.

Nach Rückkehr aus dem zweiten Weltkrieg traten die Söhne Johannes Hugo und Robert nach entsprechend fachlicher Ausbildung sowie Besuch der Textilschule Krefeld dem Vater zur Seite. Vom September 1945 an erfolgte mit der von der Militärregierung angeordneten Umfärbeaktion feldgrauer Wehrmachtsuniformen das Wiederanlaufen des Betriebes. Von Handwebereien, Spinnereien und Strumpffabriken konnten Farbaufträge beschafft werden.

1951

Elisabeth Koch mit Mannschaft

Robert Koch schied im Jahre 1952 aus. In diesem Jahr verstarb Willi Koch verstarb frühzeitig. Ehefrau Elisabeth Koch übergab den Betrieb im Jahr 1958 an ihren Sohn Johannes Hugo Koch. Sie verstarb im Jahre 1968.

1953

Mitarbeiter

Ganz links im Bild Sohn Robert Koch.

Neben Elisabeth Koch, untere Reihe, vierte von rechts, sitzen Sohn Johannes Hugo Koch und Frau Helma.

Zwei von fünf Söhnen von Johannes Hugo Koch und seiner Ehefrau Helma, Johann Otto und Johann Hinrich legten wie Vater und Großvater die Meisterprüfung im Färber- und Chemischreiniger Handwerk ab und traten mit Johann Detlev, der als Kaufmann ausgebildet wurde, im Jahre 1973 in die Firma ein.

1958

Johannes Hugo Koch und Frau Helma

Die Färberei hat sich den Jahren 1970 bis 2010 mit Johann Hinrich Koch, als letzten Färbermeister Norddeutschlands auf die Einzel- und Stückfärbungen spezialisiert. Johann Detlev Koch war im kaufmännischen Bereich tätig und übernahm die Aufgabe des Blaudruckers.

2008 verstarb der Seniorchef Johannes Hugo Koch. Die Reinigung, Färberei und Blaudruckerei wurde noch zwei weitere Jahre von den Johann Hinrich mit Frau Annelie und Johann Detlev betrieben. Aufgrund der damaligen schwierigen wirtschaftlichen Lage kam es zum wirtschaftlichen Zerfall des Betriebes. Johann Detlev schied aus dem Unternehmen aus.

2010

Färberei

Im Jahre 2010 entschieden sich Seniorchef Johann Hinrich Koch und Schwiegersohn Klaus Koch-Süzen, den Betrieb zusammen weiter zu führen.

Geschäftsführer Klaus Koch-Süzen stellte das Firmenkonzept völlig neu auf. Langjährige Mitarbeiter blieben dem Betrieb bis heute treu. Der Innenarchitekt und gelernter Drucker Koch-Süzen setzte mit seiner Frau Ilka Koch, der „Tochter des Hauses“, neue Perspektiven für die Zukunft. Der Fokus lag nun wieder im traditionellen Handdruck und der Färberei. Wieder neu entdeckt wurde neben dem Blaudruck auch der Direktdruck, mit der Möglichkeit, den aktuellen Farbtrends und den Farbwünschen der Kunden zu entsprechen.

Die Färberei ist noch heute Bestandteil der „J.H. Koch Werkstätten“, die begrifflich die einzelnen Unternehmensbereiche seit 2012 zusammenfassen.

Der jetzige Seniorchef Johann Hinrich Koch geht mit seinen 74 Jahren langsam in den „Unruhestand“.  Der Betrieb der chemischen Reinigung und Wäschedienste für Privat- und Geschäftskunden läuft gemeinsam mit den Kunsthandwerkern weiterhin erfolgreich mit einer Mannschaft von 10 Mitarbeitern.

Auch die Medienpräsenz wurde weiter ausgebaut. Zahlreiche Dokumentationen, Werkstattbesuche von Film- und Fernsehteams machten die Geschichte und das Angebot der J.H. Koch Werkstätten über die Grenzen Norddeutschlands hinaus bekannt.

Die vielfachen Teilnahmen an Veranstaltungen im Rahmen von jurierten Wettbewerben und angesehenen Kunsthandwerkermärkten brachten neue Interessenten für dieses Handwerk und die Neustädter Manufaktur.

2020

Ilka Koch & Klaus Koch-Süzen

Nun wird der Betrieb in der mittlerweile siebenten Generation fortgeführt.

Die achte Generation der Blaudrucker ist mit Tochter Smilla schon „fast gesichert“, die 12-Jährige gestaltet schon ihre ersten Entwürfe und lernt die Kunst des Handdruckens mit viel Geschick und Freude bei ihrem Vater.